Das Wort "dekantieren" ist dem lateinischen Alchemistenvokabular entlehnt, wo "dedanthare" so viel wie "über eine Kante gießen" oder "an einer Kante trennen" bedeutet. Im heutigen Sprachgebrauch wird damit das Trennen des Weines von seinen Depot genannten, festen Bestandteilen bezeichnet. Dabei wird der Wein vorsichtig in ein Dekantiergefäß, einen Dekanter bzw. ggf. eine Karaffe oder eine andere Flasche, gefüllt, ständiges und vor allem langsames Drehen sorgt dafür, dass der Bodensatz, auch Weinstein genannt, stets unten in der Flasche bleibt.
Dekantiert werden überwiegend Rotweine, doch auch schwerer Weißwein wird so veredelt, das geschmackliche Resultat ist eine abschwächende Wirkung der bitteren Note des in Trauben enthaltenen Gerbstoffs Tannin (siehe auch Gerbstoffe).
Bei der riesigen Palette vorhandener Weine ist das Dekantieren mittlerweile zur Kunstform aufgestiegen. So ist nicht nur das richtige Tempo des Umschenkens wichtig, gerade der Zeitpunkt des Dekantierens im Abstand zum Genuss des Getränks ist entscheidend. Häufig wird der Wein mittels spezieller Dekantiermaschinen vom Depot getrennt, deren ältere Exemplare nicht nur funktionell sondern für das Auge des Weintrinkers ansprechend als Antiquitäten in guten Weinstuben zu finden sind . Erfahrene Weinliebhaber dekantieren von Hand: Hierbei wird nach altem Ritual eine Kerze hinter die Flasche gestellt, um in deren Licht sofort ein Aufschütteln des Depots bemerken und den Vorgang abbrechen zu können. Bei aller Kunst hat das Dekantieren letztlich nur ein Ziel: den perfekten Genuss eines perfekten Weines.
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