Wein aus Großbritannien, wird denn dort überhaupt in nennenswertem Umfang Wein angebaut? - Das wird sich Mancher fragen. Großbritannien ist zwar sicher kein klassisches Weinanbaugebiet, doch unsere britischen Nachbarn besitzen durchaus auch eine große Weintradition. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die englischen Könige über Jahrhunderte große Besitzungen in Frankreich ihr Eigen nannten, darunter mit der Provinz Aquitanien eines der klassischen Weinanbaugebiete.
Die englische Aristokratie wusste natürlich auch die besten Tropfen zu schätzen, und Großbritannien wurde so zu einem sehr bedeutenden Importeur von Wein, und britische Weinhändler begannen als Investoren auf dem Weinmarkt eine bedeutende Rolle zu spielen. Im Zuge der Seekriege Englands gegen Frankreich und Spanien im 18. und 19. Jahrhundert kamen die Briten auf den Geschmack an den sehr schweren spanischen und portugiesischen Dessertweinen, die auf Madeira, rund um Porto und Jerez de la Frontera kultiviert wurden. Die Briten konnten das natürlich nicht aussprechen, und so wurde der Sherry und der "Portwein" geboren.
Bereits im 18. Jahrhundert begründeten englische Händler wie Thomas Osborne große Sherry-Dynastien. Osborne wurde bereits 1772 gegründet, und befindet sich noch heute in Familienbesitz. Auch die Firma Royal Oporto wurde bereits von Briten 1756 gegründet, sie ist heute der größte Portweinimporteur Großbritanniens. Auch Cockburns und Dry Sack wurden von Briten im 19. Jahrhundert gegründet, und wenn auch Portwein und Sherry aus spanischen und portugiesischen Weinen hergestellt werden, so hat die britische Tradition, die Mischung und die Bezeichnung der einzelnen Sorten Port und Sherry doch einen so typischen Charakter gegeben, dass man mit etwas Recht diese Spezialitäten mitunter auch als "Wein aus Großbritannien" bezeichnet hören kann.
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